07. Dec 2020

Erbrecht: Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 4.08.2020, Aktenzeichen 3 U 2727/19

Errichtung eines Testaments aus mehreren Urkunden

In rechtlicher Hinsicht geht der Senat im Hinblick auf die Formwirksamkeit eines solchen Testaments von folgenden Erwägungen aus:

1) Ein Testament kann auch dadurch errichtet werden, dass der Erblasser zu verschiedenen Zeitpunkten und in gesonderten Urkunden für sich genommen unvollständige Erklärungen errichtet, wenn diese jeweils die Form des § 2247 BGB wahren, er bei Errichtung der zweiten Erklärung den Willen hat, dadurch eine letztwillige Verfügung zustande zu bringen, und ein Bezug der Urkunden zueinander hergestellt ist, sodass sich aus beiden zusammen eine aussagekräftige letztwillige Verfügung ergibt.

2) In Fortführung dieses Grundsatzes kann ein Testament wirksam auch errichtet werden, indem der Erblasser auf einer Kopie der ersten Erklärung eine zunächst unvollständige Erklärung zu einer sinnvollen Anordnung ergänzt. Ein solches Vorgehen stellt auch zwangsläufig sicher, dass sich die einzelnen Erklärungsteile aufeinander beziehen, und sich so zweifelsfrei der Wille des Erblassers feststellen lässt.

3) Bei einem solchen Vorgehen muss jedoch im Zeitpunkt der zweiten Erklärung die erste Urkunde noch im Original vorhanden sein.

- Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 4.08.2020, Aktenzeichen 3 U 2727/19 -

 

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Weitere Entscheidungen zum Erbrecht finden Sie hier (OLG München, 19.08.2020)

Weitere Entscheidungen zum Erbrecht finden Sie hier (OLG Dresden, 30.07.2020)

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