01. Nov 2017

Kredite: Fremdwährungsdarlehen – Schäden in Millionenhöhe

Noch vor wenigen Jahren wurden Fremdwährungsdarlehen oder Fremdwährungskredite –vor allem zur Finanzierung des Traums vom Eigenheim – von diversen Banken wärmstens empfohlen. Inzwischen entwickeln sich die zunächst so hoch gepriesenen Fremdwährungsdarlehen jedoch zum finanziellen Fiasko. Besonders Fremdwährungsdarlehen in Schweizer Franken sind nun besonders betroffen.

Das scheinbar krisenfeste Finanzierungskonzept scheitert offenbar an der Entwicklung der Finanzmärkte. Doch geschädigte Bankkunden haben keinen Grund zur Verzweiflung. Es bestehen gute Chancen, das Fremdwährungsdarlehen vorzeitig zu lösen und sich darüber hinaus schadlos zu halten.

  • Unkalkulierbare Risiken

Viele Sparkassen und Banken haben Fremdwährungsdarlehen als die bessere Alternative zu teuren Inlandskrediten vorgestellt. Der Darlehensnehmer sollte von der Differenz der Wechselkurse profitieren. Die Rede war dann von „Währungsgewinnen“. Die hohen Risiken wurden den Darlehensnehmern oft nicht dargestellt bzw. stark heruntergespielt. Dass der Abschluss eines Fremdwährungsdarlehens letzten Endes eine Wette auf die Entwicklung der Wechselkurse ist, war kaum einem Darlehensnehmer klar.

  • Schadenersatz

Auch im Zusammenhang mit Fremdwährungsdarlehen gilt: Das beratende Finanzinstitut ist verpflichtet, den Darlehensnehmer über alle vertragswesentlichen Umstände aufzuklären. Zahlreiche Gespräche mit Mandanten zeigen, dass in dem meisten Fällen nicht darüber aufgeklärt wurde, dass ein Fremdwährungsdarlehen eine Devisenspekulation mit sehr hohem Risiko ist, wobei das Wechselkursrisiko kaum kalkulierbar bleibt. Steigt der Kurs von Schweizer Franken bzw. Yen, ist nicht nur der Zinsvorteil schnell aufgebraucht; vielmehr entstehen hohe Verluste. Auch wurden die meisten Bankkunden nicht auf die riskante Hebelwirkung zwischen den meist endfälligen Darlehen und den variablen Zinsen aufmerksam gemacht. Kommt das Finanzinstitut seinen Aufklärungs- und Beratungspflichten nicht nach und entsteht dadurch dem Darlehnsnehmer ein Schaden, haften die Banken und Sparkassen dem Kunden gegenüber auf Schadensersatz. Der Schadensersatz besteht dann darin, dass Sie so gestellt werden, als hätten Sie kein Fremdwährungsdarlehen sondern einen herkömmlichen Darlehensvertrag abgeschlossen.

  • Österreich macht´s vor

Erst kürzlich haben zwei Kreditnehmer vor dem Oberlandesgericht in Linz (Österreich) ein Musterverfahren wegen Falschberatung im Zusammenhang mit Fremdwährungsdarlehen gewonnen. Zur Begründung des obsiegenden Urteils stellte das Gericht fest, dass das Beratungsinstitut zur Schadensersatzzahlung verpflichtet sei, soweit sich für den Kreditnehmer ein Schaden aus der Differenz zwischen dem Finanzierungsvehikel und einem Eurodarlehen ergebe. Zwar handelt es sich hier um das Urteil eines österreichischen Gerichts. Eine Ausstrahlungswirkung auch auf die deutsche Rechtsprechungspraxis ist jedoch, nicht zuletzt wegen des Harmonisierungsbestrebens der europäischen Rechtsprechung, wahrscheinlich.

  • Weitere Möglichkeit: Widerruf

Wie oben dargestellt, können sich Darlehensnehmer schadlos halten und Fremdwährungsdarlehen im Wege einer Falschberatung rückabwickeln. Seit der kürzlich ergangenen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist daneben auch die Möglichkeit des Widerrufs eröffnet. Auch beim Abschluss von Fremdwährungsdarlehen muss eine richtige Widerrufsbelehrung verwendet werden. War diese fehlerhaft, kann das Fremdwährungsdarlehen, genauso wie das „normale“ Eurodarlehen auch, widerrufen und rückabgewickelt werden.

  • Was ist zu tun?

Im Ergebnis kann jedem Darlehenskunden nur empfohlen werden, seinen Fall durch einen spezialisierten Anwalt überprüfen zu lassen. Sollten Sie bei der Beratung nicht vollumfänglich über die Risiken informiert worden sein, so steht Ihnen ein Schadensersatzanspruch wegen Falschberatung zu. Ergibt die Überprüfung der Widerrufsbelehrung, dass diese fehlerhaft war, kann das Fremdwährungsdarlehen widerrufen werden. In beiden Fällen sollten keine weiteren Ratenzahlungen an das Finanzinstitut erfolgen. 

 

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